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Vom Ellbach, dem Mühlenbach, der auch Millenbach hieß

 

(Dr. Andreas Neumann) Wie die Bist [:bießt] oder der Bistkanal in Wadgassen, wurde auch der Ellbach von den Anwohnern auf sehr vielfältige Art und Weise benutzt. Dabei dominierte aber nicht die private, sondern die wirtschaftliche Nutzung im regionalen Manufakturwesen. Denn Wasser bedeutete und bedeutet immer auch Wasserkraft und die Nutzung selbiger Wasserkraft, zur damaligen Zeit, in Form von Mühlen.

Denn durch sie konnten Schwerstarbeiten wesentlich vereinfacht werden und bezogen auf die reinen Produktionsdaten, eine größere Menge hergestellt werden. Dabei kann man auf Grund der verschiedenen Mühltypen, den Ellbach als einen historischen Indikator nutzen, der anzeigt, welche wirtschaftlichen Faktoren einmal aufkamen, zum anderen aber wann und wie sie zusammenhängen. Dominierten anfangs die Getreidemühlen das Bild am Ellbach, ein deutlicher Hinweis auf die eher agrarisch ausgerichtete Bevölkerung und dem primären Einkommensbereich durch Mehlproduktion, so kamen seit 1734 neue Mühltypen hinzu. Durch die französische Vorreiterrolle bei der Lohgerbertechnik benötigten die Gerber natürlich auch eine Lohmühle, in der Eichenrinde zu Lohepulver gemahlen wurde. Und natürlich auch Holz. Letzteres wurde in der Sägemühle geschnitten, ersteres in der Lohmühle hergestellt.Doch mit der Lohgerberei und einem offensichtlichen Bedarf an Gerber- und Kürschnerwaren blieb es natürlich nicht aus, dass man ganz im Sinne des wachsenden Manufakturwesens sich darum bemühte auch andere Produktionsvorgänge zu vereinfachen. Eine typische und sicherlich nicht regional-spezifische Entwicklung war die Saar-Mühle, die anfangs als Walkmühle genutzt wurde.

Auch die Verschiebung der Primärproduktion des Gerbereiwesens weg von Frankreich in andere europäische Staaten, bis hin zu dem angloamerikanischen Wirtschaftskrieg im Bereich der Schnellgerberei, kann man an den Mühlen und damit indirekt am Millenbach erkennen. Ein geradezu ideales Beispiel stellt auch hier wieder die Saar-Mühle dar. Einst als Walkmühle gegründet, vollzog sie den Wandel zur Mehlmühle. Man kann also recht einfach schlussfolgern, dass hier keine technischen Defekte, fehlende Investitionen oder eine Unterbrechung der Müllerlinie zum Wandeln führten, denn dann hätte man sie einfach geschlossen, sondern einfach der fehlende Bedarf, der einen weiteren Betrieb im alten Stil unsinnig und unrentabel erschienen ließ.

Spätestens seit 1800 war ein Ende der Mühlen eigentlich absehbar und eng an das Schicksal der Gerber und Kürschner gekoppelt. Denn je weniger deren Geschäft lief, desto weniger Lohe benötigten diese, desto weniger wurde gewalkt, desto weniger Holz und Lohe wurde verbraucht, desto weniger benötigte man also die Mühlen. Doch was blieb den Betreibern für eine Alternative? Natürlich Mehl mahlen, denn Bauern gab es ja weiterhin. Doch war das wirklich eine Alternative und wenn nein warum? Der Fortschritt bedingt auch heute noch ein Zusammenrücken unserer Welt, wie nennen es heute Globalisierung und oft ist dieser Begriff in einem Zug mit "Schrecken der Globalisierung" geführt. Damals bedeutete es schlicht, dass Saarwellingen und Roden sehr nahe bei einander lagen und durch den technischen Fortschritt noch ein wenig näher rückten. Und der Ellbach ist ein nun mal ein Bach und kein Strom der sich über hunderte von Kilometern zieht. Neun Mühlen, mit gleicher Ausrichtung, auf so engem Raum bedeuten eine fast unerträgliche Konkurrenzsituation.

Und doch hätte es vielleicht gut gehen können. Doch bescherte der Fortschritt noch ein weiteres Problem. Die Verlagerung des bedeutendsten Wirtschaftsfaktors, weg von der Agrarwirtschaft, hin zur Kohle- und Metallindustrie. Und dort braucht man sicher auch Wasser, z.B. zur Kühlung, aber sicherlich keine Mühlen. Ein typischer Rodener Bauer war zudem nie nur Bauer. Er war Bauer und Bergarbeiter oder, was wesentlich häufiger vorkam, Bauer und Hüttenarbeiter (Ausdruck bezieht sich auf die nahe Dillinger Hütte). Doch wer nur noch in Zweitfunktion Bauer ist, baut lang nicht soviel an, wie ein Bauer, der dieser Tätigkeit ausschließlich nachgeht. Und so wurde es immer stiller um die Mühlen, bis man zum Schluss neun defizitäre und teils hoch verschuldete Betriebe hatte, die so nicht überlebensfähig gewesen wäre.

Die Lösung war recht einfach und schnell gefunden: Abfindungen und Schließungen. Denn die ansonsten so beliebte Lösung im Agrarwesen, Subventionen zu zahlen, würde nur ein bodenloses Loch aufreißen. Das war allen Beteiligten bewusst. Mit Stand 2008 gibt es die eine oder andere Initiative zumindest die Abels-Mühle zu bewahren, wobei man aber vielleicht eher von den historischen Resten der Abels-Mühle sprechen sollte, die noch in Form eines Silos existieren. In wieweit diese Bemühungen aber Früchte tragen werden, bleibt abzuwarten.

Hinweis:
Als Lohe beziehungsweise Gerberlohe wird die früher fast ausschließlich - heute in Mitteleuropa nur noch selten - zum Gerben verwendete Baumrinde oder Blätter bezeichnet. Das mittelhochdeutsche Wort lo bedeutet abreißen, schälen oder löchern. In der Regel handelte es sich dabei um Rinde, Blätter oder Holz von Eichen (Eichenlohe) und Fichten, die sehr gerbstoffreich sind und in zerkleinerter Form benutzt wurden. Die so genutzten Wälder wurden auch als Lohwälder bezeichnet.

 

 
 
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